
Als Kind wollte ich unbedingt blaue Augen haben.
Mein Vater hat blaue Augen, aber in dieser Hinsicht komme ich nach meiner Mutter: Ich habe braune Augen.
Mein Bruder dagegen hatte genau diese blauen Augen, die ich mir immer gewünscht hatte.
Und ja, als kleines Mädchen war ich tatsächlich ziemlich neidisch auf ihn.
Für mich waren blaue Augen irgendwie besonderer. Heller, auffälliger und einfach schöner als meine eigenen.
Erst später habe ich verstanden, dass ich dabei etwas viel Wichtigeres übersehen hatte.
Die Farbe allein entscheidet längst nicht darüber, welche Augen uns faszinieren.
Zwei Menschen können exakt dieselbe Augenfarbe haben und trotzdem vollkommen unterschiedlich auf uns wirken. Manchmal bleiben uns sogar Augen im Gedächtnis, die eigentlich überhaupt nicht unserem vermeintlichen „Typ“ entsprechen.
Warum ist das so?
Warum fühlen wir uns von bestimmten Augenfarben angezogen und kann unsere Augenfarbe tatsächlich etwas über unsere Persönlichkeit verraten?
Braune Augen gelten als warm und vertrauenswürdig, blaue als sensibel, grüne als geheimnisvoll und graue als unabhängig.
Doch was davon stimmt wirklich und was sind einfach Stereotype, die wir seit Jahren mit bestimmten Augenfarben verbinden?
Schauen wir uns das etwas genauer an.
Warum uns bestimmte Augenfarben anziehen

Bevor wir uns die einzelnen Augenfarben genauer ansehen, stellt sich für mich eine andere Frage:
Warum finden wir manche Augen überhaupt schöner als andere?
Ich glaube, viele von uns haben zumindest eine kleine Vorliebe.
Die einen können bei strahlend blauen Augen kaum wegsehen, andere lieben dunkle, fast schwarze Augen und wieder andere finden Grün besonders faszinierend.
Dabei reagieren wir wahrscheinlich auf viel mehr als nur auf die eigentliche Farbe.
Seltene oder besonders auffällige Merkmale ziehen unsere Aufmerksamkeit oft stärker auf sich.
Genau deshalb können grüne oder sehr helle blaue Augen auf manche Menschen außergewöhnlich wirken.
Doch auch Kontraste spielen eine Rolle.
Dunkle Augen können beispielsweise bei helleren Gesichtszügen besonders intensiv wirken, während sehr helle Augen bei dunklen Haaren sofort ins Auge fallen.
Dazu kommen Hautfarbe, Augenform, Wimpern, Augenbrauen und natürlich der Gesichtsausdruck.
Und dann gibt es noch etwas, das meiner Meinung nach viel wichtiger ist als jede Farbe:
Wer uns mit diesen Augen ansieht.
Die schönsten blauen Augen der Welt können uns vollkommen kaltlassen, während wir uns plötzlich in einem ganz gewöhnlichen Braun verlieren, nur weil der Blick einem bestimmten Menschen gehört.
Ist sein Blick warm?
Sucht er unsere Augen?
Lächeln seine Augen mit?
Oder gibt es diesen einen Moment, in dem der Blick ein bisschen länger bleibt, als er eigentlich müsste?
Vielleicht erklärt genau das, warum unsere vermeintliche „Lieblingsaugenfarbe“ plötzlich vollkommen unwichtig werden kann, sobald wir uns verlieben.
Trotzdem verbinden wir mit verschiedenen Augenfarben bestimmte Vorstellungen.
1. Braune Augen – warm, vertraut und intensiv

Braune Augen sind weltweit besonders verbreitet. Trotzdem können sie unglaublich unterschiedlich aussehen.
Von einem sehr hellen Honigbraun über warme Karamelltöne bis hin zu einem so dunklen Braun, dass die Iris beinahe schwarz erscheint, ist alles möglich.
Stereotyp werden Menschen mit braunen Augen häufig als warmherzig, loyal, bodenständig und vertrauenswürdig beschrieben.
Ich muss zugeben, dass ich diesen Beschreibungen heute mit einem kleinen Schmunzeln begegne.
Schließlich habe ich selbst braune Augen und würde natürlich gerne behaupten, dass all diese wunderbaren Eigenschaften wissenschaftlich in meiner Iris festgeschrieben sind.
So einfach funktioniert Persönlichkeit leider nicht.
Unsere Augenfarbe entsteht vor allem durch genetische Faktoren und die Menge beziehungsweise Verteilung von Melanin in der Iris. Daraus lässt sich nicht zuverlässig ablesen, ob jemand loyal, romantisch oder besonders selbstbewusst ist.
Warum halten sich solche Beschreibungen dann so hartnäckig?
Möglicherweise auch deshalb, weil wir Farben automatisch mit bestimmten Eindrücken verbinden. Dunklere, warme Töne können auf uns anders wirken als sehr helle Augen.
Und dann passiert etwas Interessantes: Wir sehen einen Menschen, haben innerhalb weniger Sekunden einen ersten Eindruck von ihm und beginnen, seinem Aussehen bestimmte Eigenschaften zuzuschreiben.
Ob sie tatsächlich stimmen, erfahren wir erst viel später.
Vielleicht hätte ich meinem jüngeren Ich deshalb einfach sagen sollen:
Braune Augen sind nicht weniger besonders. Man braucht nur den richtigen Menschen, der lange genug hineinschaut.
2. Blaue Augen – auffällig, kühl oder doch sensibel?

Ausgerechnet die Augenfarbe, die ich mir als Kind so sehr gewünscht habe.
Blaue Augen fallen besonders dann schnell auf, wenn sie sehr hell sind oder einen starken Kontrast zu Haaren und Haut bilden.
Mit ihnen werden häufig Eigenschaften wie Sensibilität, Ruhe, Zurückhaltung oder eine gewisse Verträumtheit verbunden.
Gleichzeitig können dieselben blauen Augen auf einen anderen Menschen kühl, distanziert oder sogar schwer zugänglich wirken.
Schon daran sieht man, wie widersprüchlich solche Zuschreibungen sind.
Die Farbe allein verrät uns schließlich nicht, ob jemand besonders sensibel ist oder seine Gefühle lieber für sich behält.
Viel spannender finde ich, wie stark sich die Wirkung verändert, sobald der Gesichtsausdruck dazukommt.
Ein ernstes Paar hellblauer Augen kann beinahe eisig wirken.
Beginnt derselbe Mensch zu lachen und seine Augen lachen mit, entsteht plötzlich ein vollkommen anderer Eindruck.
Vielleicht waren blaue Augen für mich als Mädchen deshalb so faszinierend: Sie waren einfach anders als meine eigenen.
3. Grüne Augen – selten und geheimnisvoll

Grüne Augen haben etwas, das sofort Aufmerksamkeit erzeugen kann.
Allein ihre vergleichsweise geringe Verbreitung macht sie für viele Menschen besonders.
Passend dazu hält sich ein ziemlich romantisches Stereotyp: Menschen mit grünen Augen seien geheimnisvoll, leidenschaftlich, unabhängig und schwer zu durchschauen.
Das klingt natürlich wunderbar nach einer Person, die in einem Roman auftaucht und nach drei Seiten das Herz der Hauptfigur bricht.
Mit der tatsächlichen Persönlichkeit hat die Farbe der Iris allerdings wenig zu tun.
Interessant ist vielmehr, was Seltenheit mit unserer Wahrnehmung macht.
Was uns im Alltag weniger häufig begegnet, kann stärker auffallen und dadurch außergewöhnlicher erscheinen. Dazu kommt, dass grüne Augen je nach Licht, Kleidung und Umgebung teilweise ganz unterschiedlich wirken können.
Mal erscheinen sie kräftig grün, ein anderes Mal eher grau oder mit goldenen Nuancen.
Vielleicht entsteht gerade dadurch dieser Ruf des „Geheimnisvollen“.
Die Augen verändern nicht ihre Persönlichkeit.
Unsere Wahrnehmung von ihnen verändert sich.
4. Graue Augen – ungewöhnlich und schwer einzuordnen

Graue Augen werden häufig ein wenig vergessen, wenn über Augenfarben gesprochen wird.
Dabei finde ich gerade sie besonders interessant.
Je nach Licht können sie bläulich, silbern, dunkelgrau oder sogar leicht grünlich wirken.
Menschen mit grauen Augen werden stereotyp gerne als ruhig, intelligent, unabhängig oder geheimnisvoll beschrieben.
Auch hier gilt: Schönes Klischee, aber keine Persönlichkeitsanalyse.
Ein Mensch wird schließlich nicht unabhängiger, nur weil seine Iris grau erscheint.
Was diese Augenfarbe jedoch besonders machen kann, ist ihre Wandelbarkeit.
Bei unterschiedlichem Licht oder verschiedenen Farben in der Umgebung kann sich ihre Wirkung erstaunlich stark verändern.
Warum dieselbe Augenfarbe bei zwei Menschen völlig anders wirkt

Zwei Menschen können beide braune Augen haben und trotzdem vollkommen unterschiedlich auf uns wirken.
Dasselbe gilt für Blau, Grün oder Grau.
Denn wenn wir einem Menschen in die Augen schauen, sehen wir niemals nur die Farbe seiner Iris.
Wir sehen gleichzeitig die Form seiner Augen, seine Pupillen, Augenbrauen, Wimpern und den Ausdruck seines gesamten Gesichts.
Vor allem aber sehen wir Emotionen.
Ein Blick kann neugierig, müde, warm, unsicher, angespannt, verliebt oder abwesend wirken.
Dazu kommt unsere persönliche Beziehung zu diesem Menschen.
Die braunen Augen eines Fremden sind für uns möglicherweise einfach braun.
Gehören dieselben Augen jedoch zu einem Menschen, in den wir verliebt sind, kennen wir plötzlich jede kleine Veränderung darin.
Wir wissen, wie sie aussehen, wenn er lacht.
Wie sein Blick wirkt, wenn er nachdenklich ist.
Und manchmal merken wir sogar an seinen Augen, dass etwas nicht stimmt, bevor er überhaupt etwas gesagt hat.
Deshalb glaube ich heute, dass die Frage „Welche Augenfarbe ist die schönste?“ eigentlich viel weniger eindeutig ist, als ich sie als kleines Mädchen empfunden habe.
Irgendwann verlieben wir uns nicht mehr in Blau, Braun oder Grün.
Wir verlieben uns in ganz bestimmte Augen.
Welche Augenfarbe gilt als besonders attraktiv?

Spätestens hier wird es interessant.
Gibt es eine Augenfarbe, die Menschen tatsächlich schöner finden als andere?
Eine eindeutige Antwort darauf gibt es kaum. Attraktivität hängt schließlich von sehr vielen Faktoren ab, und die Augenfarbe ist nur ein kleiner Teil des gesamten Gesichts.
Trotzdem können bestimmte Augenfarben schneller unsere Aufmerksamkeit bekommen.
Seltene Farben wie Grün oder Grau wirken auf manche Menschen besonders außergewöhnlich. Sehr helle blaue Augen können durch ihren Kontrast auffallen, während dunkle braune Augen oft als warm und intensiv wahrgenommen werden.
Was wir attraktiv finden, hängt außerdem stark von unseren eigenen Vorlieben und Erfahrungen ab.
Vielleicht erinnert uns eine bestimmte Augenfarbe an jemanden, den wir einmal geliebt haben. Vielleicht fühlen wir uns gerade zu Merkmalen hingezogen, die sich deutlich von unseren eigenen unterscheiden.
Und manchmal haben wir jahrelang einen bestimmten „Typ“ – bis ein Mensch auftaucht, der überhaupt nicht dazu passt.
Das finde ich an Anziehung so schön.
Sie hält sich erstaunlich selten an unsere Listen.
Was Augenfarbe wirklich über die Persönlichkeit verrät

Hier müssen wir die romantischen Vorstellungen ein wenig von den Fakten trennen.
Für Aussagen wie „Menschen mit braunen Augen sind loyal“, „Menschen mit blauen Augen sind sensibler“ oder „Grünäugige sind besonders leidenschaftlich“ gibt es keine Grundlage, mit der wir die Persönlichkeit eines einzelnen Menschen zuverlässig anhand seiner Augenfarbe bestimmen könnten.
Unsere Persönlichkeit ist viel zu komplex dafür.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Augenfarbe für unsere Wahrnehmung vollkommen bedeutungslos ist.
Interessant ist nämlich der Unterschied zwischen:
Wer ein Mensch tatsächlich ist
und
wie wir ihn auf den ersten Blick wahrnehmen.
Wir bilden uns sehr schnell Eindrücke von anderen Menschen. Dabei spielen Gesichtszüge, Mimik, Kleidung, Stimme, Körpersprache und auch auffällige körperliche Merkmale eine Rolle.
Genau hier können die vielen Stereotype rund um Augenfarben interessant werden.
Wenn wir grüne Augen bereits mit „geheimnisvoll“ verbinden, kann diese Vorstellung beeinflussen, wie wir einen Menschen beim ersten Kennenlernen wahrnehmen.
Das sagt dann allerdings möglicherweise mehr über unsere Erwartungen aus als über die Person vor uns.
Deshalb würde ich Augenfarben niemals als Persönlichkeitstest betrachten.
Sie können beeinflussen, welchen ersten Eindruck jemand auf uns macht.
Seinen Charakter verraten sie uns nicht.
Was ich heute über meine braunen Augen denke

Wenn ich heute daran zurückdenke, dass ich als kleines Mädchen wegen meiner braunen Augen manchmal traurig war, muss ich ein bisschen lachen.
Damals hätte ich wahrscheinlich sofort mit jedem blauäugigen Mädchen getauscht.
Heute würde ich das nicht mehr wollen.
Vielleicht liegt es daran, dass ich irgendwann aufgehört habe, einzelne Merkmale danach zu beurteilen, ob sie selten oder besonders auffällig sind.
Bei anderen Menschen geht es mir inzwischen genauso.
Ich kann wunderschöne blaue, grüne oder graue Augen sehen und sie bewundern.
Doch die Augen, die mir wirklich im Gedächtnis geblieben sind, waren selten deshalb besonders, weil sie eine bestimmte Farbe hatten.
Es war die Art, wie mich jemand damit angesehen hat.
Ein Blick, der etwas länger dauerte.
Augen, die beim Lachen plötzlich ganz anders aussahen.
Oder dieser eine Ausdruck, den man irgendwann so gut kennt, dass man sofort merkt, was im anderen Menschen vorgeht.
Heute ist es übrigens tatsächlich so gekommen, dass mein Partner blaue Augen hat.
Genau die Augenfarbe also, die ich als kleines Mädchen unbedingt selbst haben wollte.
Aber wenn ich heute in seine Augen schaue, denke ich nicht darüber nach, dass sie blau sind oder ob ich sie deshalb besonders schön finde.
Ich liebe seine Augen, weil sie zu ihm gehören.
Weil ich seinen Blick kenne, weil ich weiß, wie seine Augen aussehen, wenn er lacht, und weil sie für mich ein Teil des Menschen sind, den ich liebe.
Am Ende ist ihre Farbe deshalb eigentlich nur ein kleines Detail.
Die schönste Augenfarbe gehört oft einfach zu dem Menschen, dessen Blick wir am liebsten erwidern.
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Hinweis: Die in diesem Artikel genannten Eigenschaften verschiedener Augenfarben beruhen teilweise auf verbreiteten Wahrnehmungen und Stereotypen. Die Augenfarbe erlaubt keine zuverlässigen Rückschlüsse auf den Charakter oder die Persönlichkeit eines Menschen. Der Artikel dient der Information und Unterhaltung.
